Familie Ralf unterwegs....
Familie Ralf unterwegs....
15.08.11

Größere Kartenansicht Oban -> Malliag -> Dunvegan, Isle of Skye

Die ganze Nacht hatte es wieder einmal heftig geregnet, aber heute morgen begrüßte uns ein weiteres Mal die Sonne nach dem Aufstehen. Bleibt nur zu hoffen, dass ihr das zu Gewohnheit wird. Wir packten gleich nach dem Frühstück zusammen, denn wir wollten am heutigen Tag zumindest bis Mallaig, um dort frei zu stehen, eventuell aber sogar weiter mit der Fähre auf die Isle of Skye.
Zuerst aber machten wir Stop in Oban, um unsere Vorräte im Supermarkt aufzufüllen und unsere Angelausrüstung ein wenig zu ergänzen, denn für das Angeln im Meer waren wir nur unzureichend vorbereitet. Wir nutzen die Gelegenheit und drehten eine kleine Runde durch den Ort, um uns den Hafen und das Amphitheater anzuschauen. Amphitheater? Ja - Denn irgendein reicher Bänker hatte sein Vermögen Ende des 19. Jahrhunderts in den kolossalen Bau gesteckt, der aber bis zu seinem Tod nicht beendet wurde und auch danach nicht, da die übrigen Bewohner Obans nicht die geringste Ahnung hatten, wofür das Ding überhaupt gut sein sollte.
Nach dem Abstecher folgten wir dem Firth of Lorn bis zu dessen Ende, an dem sich die Stadt Ford William befindet, die mit einer schönen Promenade am Wasser und den höchsten Berg Schottlands, den Ben Nevis, zu beeindrucken weiss. Von hier aus gibt es auch eine der schönsten Bahnlinien Großbritanniens, die durch sagenhafte Landschaft und über atemberaubenden Brücken bis nach Mallaig führt und mit einer alten Dampflokomotive durchgeführt wird. Zusätzliche Berühmtheit erlangte der Zug durch die Harry Potter Filme, wo er den "Hogwarts Express" darstellte. Dies führte aber leider dazu das die Preise extrem anzogen. Für uns vier sollte die Fahrkarten mehr als 120 Pfund kosten! Das war uns viel zu teuer und da parallel zur Zugstrecke auch eine Panorama Strasse führt, fuhren wir die Strecke halt mit unserem Womo ab. Die Strecke durch grüne Berge, vorbei am Loch Eilt, über ein Hochebene und wieder runter zum Atlantik war wirklich toll. An deren Ende erreichten wir gegen 17.00 Uhr Mallaig. Nun mußten wir uns entscheiden, ob wir hier eine Nacht frei stehen wollen oder doch noch die Fähre rüber nach Armadale auf die Isle of Skye nahmen. Wir hatten zuvor dort einen tollen Campingplatz empfohlen bekommen und da die schönsten freien Plätze in Mallaig schon aufgrund der fortgeschrittenen Zeit belegt waren, zahlten wir brav 44 Pfund und setzten bei bestem Wetter über.
Auf der Insel fuhren wir dann doch erst einen Stellplatz in einem kleinen Waldgebiet an, doch schon vor dem Aussteigen bemerkten wir vor den Fenstern tausende der berüchtigten "Midgets", mikroskopisch kleine Fliegen, mit unseren Fruchtfliegen zu vergleichen, die die üble Gewohnheit haben, Menschen kleine Stücke aus der Haut zu beißen... Also kehrten wir reumütig um und fuhren weitere 40 Meilen, um an den angepriesenen Campingplatz zu kommen. Auch diese Fahrt war ein Erlebnis: Mit Ausnahme der größeren Siedlung namens Portree fährt man ewig durch völlig unbesiedeltes Land. Heidelandschaft und verhältnismäßig große, grüne Berge soweit das Auge reicht.
Gegen 20.00 Uhr erreichen wir den Campingplatz, bekommen noch einen Stellplatz mit toller Aussicht auf das Meer und genießen einen farbenfrohen Sonnenuntergang, bevor wir auch hier vor den Midgets ins Womo flüchten müssen.
16.08.11

Eigentlich wollten wir uns schon heute morgen ein Motorboot mieten, um ganz groß ins Fischbusiness einzusteigen, aber: Es regnet mal wieder aus Kübeln! Es gibt aber Internetzugang am Platz und der Wetterbericht sagt Sonnenschein für den Nachmittag und den ganzen morgigen Tag voraus. Also verlängern wir unseren Aufenthalt schon einmal um einen weiteren Tag und verbringen den Morgen mit Lego und Gesellschaftsspielen.
Gegen 15.00 Uhr traut sich die Sonne tatsächlich hinter den Wolken hervor und die Jungs und ich begeben uns auf Erkundungstour: Laut dem Campingplatzwirt soll es ein Stück die Küste runter einen tollen Angelplatz geben. Nach gut vierzigminütiger Wanderung durch mit Felsen durchsetzter Heide gelangen wir zuerst an die Ruine eines uralten Bauernhofes und gleich danach an eine Steilküste, von der man wohl wirklich, auch bei Niedrigwasser, prima angeln kann. Zurück am Womo fange ich mit dem Kochen an, es gibt Bohnensuppe, und am Abend essen wir das erste Mal, seit dem wir in Schottland angekommen sind, bei herrlichsten Wetter vor dem Wohnmobil im Freien. Erst als spät Abend bei nachlassendem Wind die Midges wieder aus Ihren Verstecken kommen, ziehen wir uns ins Womo zurück, in der Hoffnung, dass uns, wie versprochen, das Wetter für den morgigen Tag erhalten bleibt.
17.08.11

Das Frühstück hakten wir schnell ab, denn in der Tat schien schon früh am morgen die Sonne und wir hatten uns für heute eine Menge vorgenommen. Wir reservierten unseren schönen Stellplatz und stellten klar, dass wir am Abend auf alle Fälle wiederkommen wollen und verließen dann den Campingplatz vorerst mit unserem Wohnmobil.
Zuerst ging es zum Dunvegan Castle. Dabei handelt es sich um den Wohnsitz des Clan-Chief des MacLeod Clans und das immerhin schon seit 1200 Jahren! Der derzeitige 29. Clan-Chief ist John MacLeod of MacLeod, der Teile der Burg und vor allen den Garten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat. Natürlich gegen eine saftige Gebühr, das versteht sich von selbst!
Trotzdem ist der seit 1812 im englischen Stil angelegte und im Laufe der Jahrzehnte diesmal im französischen Stil ausgebaute Garten, aber auch die Burg selbst das Geld wert. Im Garten lassen sich reichlich Rhododendron bestaunen und im Schloss wird die bewegte und bis zur Invasion der Wikinger zurückreichende Familiengeschichte interessant vermittelt.
Das eigentlich Highlight erwartet uns dann aber wieder zurück im Garten! Denn direkt vor der Burg im Loch Dunvegan gibt es eine riesige Robbenkolonie. Zu den Robben fährt uns ein kundiger Führer mit einem kleinen Motorboot in dem maximal 6 Passagiere, dichtgedrängt und mit Schwimmwesten ausgestattet, Platz haben. Die Robben sind aber so an diese Boot gewöhnt, das sie uns bis auf 5 Meter heranlassen, ohne auch nur mit der Flosse zu zucken. Ein tolles Erlebnis! Dabei erfahren wir ein Menge über die Tiere, auch das ihr größter Feind, außer dem Mensch natürlich, Orcas sind, die man hier auch immer wieder beobachten kann! Wir sehen allerdings diesmal keine, so dass uns unser Führer den Tip zu einer Landzunge weiter im Nordwesten zu fahren, denn dort gibt es außer einer atemberaubenden Steilküste auch immer mal wieder die Chance Schwert-, aber auch Grauwale, Delphine und Walhaie zu sehen. Meine Frage, ob man dorthin auch mit einem Wohnmobil käme, wurde bejaht und so war klar, wohin wir nach der Rückkehr von der Robbentour weiterfahren würden.
Laut der Karte auf unserem Navi waren es gerade einmal 11 Meilen bis zu der besagten Stelle, aber die hatten es in sich: Eine schroffe Bergkette wollte überquert werden und das ausschließlich auf einer berühmt, berüchtigten Single Track Road. Wie zu erwarten brauchten wir wirklich fast eine 45 Minuten, bis wir unser Ziel erreichten, aber, ähnlich wie wir das schon aus Norwegen kannten, waren wir hinter jeder Kurve und jeder Bergkuppe fassungslos, aufgrund der einmaligen Kulisse, die uns geboten wurde. Am Ende standen wir auf einer ca. 200 Meter hohen Klippe über dem Meer unter uns eine kleine Landzunge, auf der noch ein Leuchtturm stand und Links und Rest soweit das Auge reichte eine wunderbare, unberührte Steilküste. Nach einem kleinen Picknick mit unglaublichem Ausblick, kletterten wir einen kleinen steilen Pfad hinab in Richtung Leuchtturm, den Blick auf immer wieder auf das Meer gerichtet, in der Hoffnung, doch eventuell einen Wal zu sichten.
Dies gelang letztendlich zwar nicht aber dieser Abstecher war trotzdem ein tolles Erlebnis!
Wir quälten uns den Weg zurück bis zu unseren Campingplatz, der mit Sonne und Wind (sehr wichtig, wegen der Midgets) auf uns zu warten schien. Also packten wir unsere Campingmöbel und den Grill aus und ließen den Tag bei einem leckeren Essen langsam ausklingen.
Allein dieser Tag war die Reise wert! Was für ein unbeschreiblich tolles Land mit wenigen, aber dafür um so freundlicheren Menschen, was uns jeden Tag aufs Neue auffällt! Ich fürchte, spätestens heute hat er uns endgültig erwischt: Der berüchtigte Schottland-Virus!
Weiter geht es hier: Schottland 2011 Teil 4